Schmerzen im Spital behandeln: Erfassung, Medikamente und Therapiekontrolle erklärt

Schmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Spital, lassen sich aber nicht wie Blutdruck oder Körpertemperatur direkt messen. Eine gute Schmerzbehandlung beginnt deshalb mit genauer Beobachtung und wiederholten Gesprächen. Entscheidend ist nicht allein eine Zahl auf der Schmerzskala, sondern auch, wie stark Beschwerden Schlaf, Atmung, Bewegung und Erholung beeinträchtigen.

Das Behandlungsteam verbindet diese Angaben mit Diagnose, Eingriff, Vorerkrankungen und bisherigen Reaktionen auf Medikamente. Danach wird die Therapie schrittweise angepasst und ihre Wirkung kontrolliert. Das Ziel ist eine tragbare Schmerzsituation mit möglichst wenigen Nebenwirkungen und genügend Beweglichkeit für die weitere Genesung.

Schmerzen im Spital erfassen: Mehr als eine Zahl zwischen null und zehn

Pflegefachpersonen und Ärzte fragen regelmässig nach der Schmerzstärke. Häufig dient eine numerische Skala von null bis zehn als gemeinsame Sprache: null bedeutet keinen Schmerz, zehn den stärksten vorstellbaren Schmerz. Alternativ kommen verbale Kategorien wie „leicht“, „mittel“ oder „stark“ sowie visuelle Skalen zum Einsatz.

Die Zahl ist subjektiv und dennoch wertvoll. Sie macht keine Schmerzen zwischen verschiedenen Patienten objektiv vergleichbar, zeigt aber Veränderungen bei derselben Person. Sinkt ein Wert nach einem Medikament, während tiefes Atmen und Aufstehen wieder möglich werden, spricht das für eine relevante Wirkung. Bleibt die Zahl gleich oder treten neue Beschwerden auf, braucht es eine erneute Beurteilung.

Das Team fragt deshalb zusätzlich nach:

  • Ort, Ausstrahlung und Beginn des Schmerzes
  • stechendem, brennendem, drückendem oder krampfartigem Charakter
  • Schmerzen in Ruhe, bei Bewegung, Husten oder pflegerischen Massnahmen
  • Auswirkungen auf Schlaf, Atmung, Appetit und Mobilität
  • bisheriger Wirkung und Nebenwirkungen der Behandlung

Bei Demenz, Bewusstseinsstörungen, sehr jungen Kindern oder eingeschränkter Kommunikation werden Beobachtungsinstrumente eingesetzt. Gesichtsausdruck, Schonhaltung, Unruhe, Lautäusserungen, Atmung und Reaktion auf Trost können Hinweise geben. Angehörige kennen oft typische Verhaltensänderungen, ersetzen aber nicht die klinische Beurteilung.


Schmerzskalen helfen, Veränderungen im Verlauf sichtbar zu machen und die Wirkung einer Massnahme zu beurteilen.

Akute und chronische Schmerzen brauchen unterschiedliche Strategien

Akute Schmerzen treten beispielsweise nach einer Operation, Verletzung oder Entzündung auf. Sie haben häufig eine erkennbare Ursache und verändern sich mit Heilung und Belastung. Die Behandlung soll Komplikationen verhindern und Aktivitäten ermöglichen, die für die Genesung wichtig sind. Dazu zählen tiefes Atmen, Husten, Schlafen, Physiotherapie und frühe Mobilisation.

Chronische Schmerzen bestehen länger und können sich teilweise von der ursprünglichen Gewebeschädigung lösen. Nervensystem, Schlaf, Stimmung, Angst, Bewegung und soziale Belastungen beeinflussen einander. Eine rein medikamentöse Strategie greift dann oft zu kurz. Häufig braucht es ein abgestimmtes Vorgehen aus Medizin, Pflege, Physio- oder Ergotherapie und bei Bedarf psychologischer Unterstützung.

Auch die Schmerzart spielt eine Rolle. Entzündliche oder postoperative Schmerzen reagieren anders als Nervenschmerzen, die sich etwa brennend, elektrisierend oder durch Berührung ausgelöst zeigen können. Ein Wechsel der Schmerzqualität ist deshalb eine wichtige Information und kann eine neue Untersuchung erforderlich machen.



Schmerzmedikamente kombinieren: Wirkung und Risiken ausbalancieren

Im Spital werden häufig mehrere Wirkprinzipien kombiniert. Nichtopioide Schmerzmittel können eine Basis bilden. Je nach Ursache kommen entzündungshemmende Medikamente, Opioide, Mittel gegen Nervenschmerzen oder lokal wirkende Verfahren hinzu. Auswahl und Dosis richten sich unter anderem nach Alter, Körpergewicht, Leber- und Nierenfunktion, Blutungsrisiko, Atemwegserkrankungen und anderen Medikamenten.

Eine Kombination kann einzelne Dosen reduzieren und verschiedene Schmerzmechanismen ansprechen. Sie ist jedoch kein starres Stufenschema für jede Situation. Ein Medikament, das nach einem Eingriff sinnvoll ist, kann bei einer anderen Erkrankung ungeeignet sein. Schmerzmittel sollten im Spital deshalb weder ausgelassen noch zusätzlich eingenommen werden, ohne das Team zu informieren.

Opioide können bei starken akuten Schmerzen wichtig sein. Kontrolliert werden insbesondere Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Verwirrtheit und eine verlangsamte Atmung. Plötzliche starke Schläfrigkeit, Atemnot oder kaum mögliche Weckbarkeit verlangen sofortige Hilfe. Bei längerer Einnahme werden Nutzen, Dosis, Abhängigkeitspotenzial und ein späteres Ausschleichen ausdrücklich geplant.

PCA, Katheter und Nervenblockaden: Gezielte Verfahren nach Operationen

Bei einer patientenkontrollierten Analgesie, kurz PCA, kann über eine programmierte Pumpe eine festgelegte Medikamentendosis ausgelöst werden. Sicherheitsintervalle begrenzen die Abgabe. Nur der Patient selbst soll den Knopf bedienen; eine Betätigung durch Angehörige kann Warnsignale überdecken und zu einer gefährlichen Überdosierung beitragen.

Regionalanästhesieverfahren blockieren Schmerzsignale in einem begrenzten Körperbereich. Ein einzelner Nervenblock oder ein Katheter in der Nähe von Nerven beziehungsweise des Rückenmarks kann nach bestimmten Operationen eine wirksame Ergänzung sein. Dabei kontrolliert das Team Schmerz, Beweglichkeit, Gefühl, Kreislauf, Einstichstelle und mögliche Nebenwirkungen.

Bei komplexen Verläufen wird häufig ein Akutschmerzdienst beigezogen. Solche Teams betreuen unter anderem PCA-Pumpen und Schmerzkatheter, führen Visiten durch und stimmen Änderungen mit Station, Operateuren und weiteren Fachrichtungen ab.

Nichtmedikamentöse Schmerzbehandlung unterstützt die Genesung

Lagerung, angepasste Bewegung, Kälte oder Wärme, Atemtechniken und eine ruhige Umgebung können Medikamente ergänzen. Welche Massnahme passt, hängt von Ursache und Eingriff ab. Wärme ist beispielsweise nicht für jede akute Entzündung geeignet, Kälte nicht für jede Durchblutungssituation. Vorgaben des Behandlungsteams haben deshalb Vorrang.

Physiotherapie hilft, Schonhaltungen abzubauen und Bewegung kontrolliert zurückzugewinnen. Sie darf fordernd sein, soll aber mit dem Schmerzplan abgestimmt werden. Der Beitrag über den Umgang mit Nacken-, Schulter- und Rückenverspannungen ordnet ergänzende Alltagsmassnahmen für unkomplizierte Beschwerden ein.

Information wirkt ebenfalls therapeutisch. Wer weiss, welche Empfindungen nach einem Eingriff erwartbar sind, wann ein Medikament einsetzt und welche Bewegung erlaubt ist, kann aktiver mitarbeiten. Entspannung und Ablenkung beseitigen die Ursache nicht, können Anspannung und Schmerzverstärkung jedoch verringern.


Bewegung und Physiotherapie werden an Eingriff, Belastbarkeit und Schmerztherapie angepasst.

Therapie anpassen: Wirkung, Funktion und Nebenwirkungen kontrollieren

Nach jeder wesentlichen Massnahme folgt eine Verlaufskontrolle. Dabei zählt nicht nur, ob der Schmerzwert sinkt. Wichtig ist auch, ob Schlaf, Atmung und Bewegung leichter werden und ob Nebenwirkungen auftreten. Ein realistisches Ziel kann beispielsweise sein, in Ruhe wenig Beschwerden zu haben und mit Unterstützung aufstehen zu können. Vollständige Schmerzfreiheit ist nicht in jeder Situation erreichbar oder ohne unverhältnismässige Risiken sinnvoll.

Steigt der Schmerz unerwartet stark an, verändert er seinen Charakter oder passt er nicht zum bisherigen Verlauf, wird nicht einfach nur die Dosis erhöht. Neue Schmerzen können auf eine Komplikation hinweisen und müssen untersucht werden. Das gilt besonders bei Atemnot, Brustschmerz, neuen Lähmungserscheinungen, starker Schwellung, Fieber, Blutung oder plötzlich zunehmenden Bauchschmerzen.

Eine sichere Versorgung beruht auf Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Wie medizinische Fachgebiete und klinische Abläufe räumlich zusammengeführt werden, zeigt der redaktionelle Bericht über das erneuerte Marie-Colinet-Haus der Insel Gruppe.

Entlassung mit Schmerzmitteln: Ein klarer Plan verhindert Fehler

Vor dem Austritt sollte geklärt sein, welches Medikament in welcher Dosis und bis wann vorgesehen ist. Ebenso wichtig sind Maximaldosis, zeitliche Abstände, Wechselwirkungen und der Umgang mit vergessenen Einnahmen. Mehrere Präparate können denselben Wirkstoff enthalten; eine Doppelmedikation ist deshalb zu vermeiden.

Der Plan beschreibt ausserdem, wann eine Dosis reduziert werden kann, welche Nebenwirkungen beobachtet werden müssen und an wen sich Patienten bei Problemen wenden. Nicht mehr benötigte Medikamente gehören nicht in den Hauskehricht oder ins Abwasser, sondern werden entsprechend den lokalen Rückgabemöglichkeiten entsorgt. Verschreibungspflichtige Schmerzmittel dürfen nie weitergegeben werden.



Das Video „Informationsfilm des Schmerzzentrums des Uni-Klinikum Erlangen“ vom Universitätsklinikum Erlangen zeigt, wie verschiedene Fachrichtungen bei der Behandlung komplexer Schmerzen zusammenarbeiten. Es ergänzt den Artikel um einen Einblick in die interdisziplinäre Schmerzmedizin.


Gute Schmerzbehandlung ist ein fortlaufender Prozess

Schmerzen werden im Spital wiederholt erfasst, behandelt und neu beurteilt. Schmerzskalen schaffen eine gemeinsame Sprache, doch Funktion, Schmerzart und Nebenwirkungen bestimmen die nächsten Schritte ebenso. Medikamente, regionale Verfahren, Bewegung, Lagerung und psychologische Unterstützung können sich ergänzen. Klare Rückmeldungen und ein verständlicher Austrittsplan helfen, die Therapie wirksam und sicher an den Verlauf anzupassen.

 

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